Fritz Schumacher Reloaded


Anläßlich des heutigen 70. Todestages von Fritz Schumacher, dem ehemaligen Oberbaudirektor Hamburgs, startet das Projekt Schumacher Reloaded. In der Online-Galerie sind Photoserien von 85 Bauten zu sehen, die Carl Dransfeld gegen Ende der 1920er Jahre aufgenommen hat. Es sind überwiegend Schulen in Hamburg, aber auch einige Polizei- und Feuerwehrwachen, sowie Behörden und 3 Gefängnisse. Die Serien zum Hamburger Stadtpark und den Alsterbrücken bieten interaktive virtuelle Dronenflüge mit dem Chronoscope Hamburg.

Die Photos wurden von der Staatsbibliothek Hamburg unter Creative Commons Lizenz veröffentlicht, so dass jeder die Ansichten durchstöbern können soll. Für Schumacher Reloaded kommen nun Content Management, Information Architecture und Interaction Design zusammen, um ein einfaches Browsen und eingehendes Studieren der Photoserien zu erlauben.

Fast alle Gebäude stehen heute noch und werden im ursprünglichen Sinne genutzt. Die Begegnung mit ihnen im Stadtbild wird nicht mehr die gleiche sein, nachdem man die fast 90 Jahre alten Perspektiven von Carl Dransfeld betrachtet hat.

Abschließend zu dieser kleinen Hommage ein paar Worte von Fritz Schumacher selbst:

Wenn sie euch stören, reißt die Mauern nieder,
schafft euch erbarmungslos den nöt’gen Raum,
was Menschenhand erschuf, das schafft sie wieder.
Nur eines müßt ihr schonen: ehrt den Baum.

à propos

Altonas Stadtgeschichte 1780

Beschreibung der Stadt Altona 1780

Altona, diese ansehnliche Stadt, deren bergichte Lage an der Schifreichen Elbe den reitzendsten Anblick verursacht, entstand vor ohngefehr drittehalbhundert Jahren aus einigen Fischerhütten, welche zu einem Dorf anwuchsen, das zwar 1547 abbrante, aber in einem Jahre vergrössert wieder hergestellt, und 1548 in die Kirche zu Ottensen eingepfarrt wurde. So sehr die Grafen von Schaumburg Altona zu vergrössern suchten, indem Graf Ernst es 1604 zu einem Flecken machte, so blieb es doch sehr mittelmässig. Nur unter seinen Königen konnte es zu derjenigen Grösse gelangen, worin wir es jetzt erblicken. 1640 war dieser glückliche Zeitpunkt, so traurig er damals scheinen mochte, da Altona, mit Absterben des lezten Grafen Otto von Schaumburg seine königllichen Beschützer erhielt, und unter König Christian den IIIten schon ansehnlich zunahm. Friedrich der IIIte gab Altona 1649 eine Kirche [Lutherische Kirche], 1664 das Stadtrecht und 1669 ein Rathaus. Christian d. Vte befestigte das gute Vernehmen zwischen Hamburg und Altona durch den Copenhagenschen Vergleich von 1692. Diesem Eifer folgte Friedrich der IIIIte welcher die Kirchen, Justiz und Policey Sachen verbesserte. Nun aber entstand der traurige Zeitpunkt, wo Pest, Krieg und Brand den Untergang dieser aufblühenden Stadt drohten. Denn 1711 brannten über 200 Häuser ab, die lange u. breite Strasse nebst der Juden Synagoge u. Raum war dieser Schade ersezt, als 1713 die unerbitterlichen Schweden die ganze Stadt in die Asche legten. Doch Friedrich half ihr aus dem Steinhaufen desto schöner wieder empor, u. die Stadt wuchs desto schneller, um ihren vorigen Flor zu übertreffen. Christian d. VI te stiftete 1738 das Academische Gymnasium, lies eine neue Kirche, das Zucht und Werckhaus u. das Waisenhaus errichten. Noch empfindet jeder Bürger das Glück, welches es dem verewigten Friedrich dem Vten zu dancken hat, da schon unsere nächsten Nachbarn unter der Last des Krieges seufzten. Wer befördere die Aufnahme der Stadt mehr als Friedrich, dessen Fußstapfen unser theuerster Christian mit Landesväterlichem Eifer folgt?
Die weisesten Verordnungen für das Wohl dieser Stadt, u. das hieselbst errichtete Münzwesenzeigen, wie sehr dieser huldreiche Monarch seine grossen Vorfahren übertreffen werde.      So ist Altona nach vielen Ungewittern so angewachsen, daß man jetzt auf 4000 Feuerstellen u. 17000 Einwohner rechnet, u. da es anfänglich unter Ottensen stand, so steht dies jetzt seit 1714 unter der Gerichtsbarkeit der Stadt. Handlung, Manufacturen, Fabricken, Religions Freiheit, haben Altona groß u. volkreich gemacht. Ein unschäzbares Glück für Altona ist noch dies, daß es jederzeit die ruhmwürdigsten Männer, u. viele rechtschafne Bürger u. Patrioten gehabt hat, woran es jetzt vorzüglich reich ist.     Die Vorsicht erhalte uns Christiane und Friedriche, so wird Altona sich eines dauerhaften Flors u. Wachsthums freuen können.

Man sehe die Beschreibung der Stadt Altona von dem Hrn. Sachwalter Schmidt daselbst.

// Transcript des Textes der Karte Grund-Riss der Stadt Altona PPN609101145 von 1780
// Scan der Karte cc-by Staatsbibliothek Hamburg; Info via CDVNord – Historische Karten der Stabi Hamburg

Update: ChronoScroll Altona anno 1780

Richtplatz auf dem Grasbrook 1590

Das Chronoscope ist eine Zeitmaschine für Hamburg, die im Rahmen des Kultur-Hackathon Coding Da Vinci Nord entstanden ist. Justiert man die Coordinaten auf den Grasbrook um 1590, so findet man die Richtstätte, auf der bis 1624 über 400 Seeräuber enthauptet wurden. [cf. Wikipedia].

Der Ort würde heute in etwa zwischen der Elbphilharmonie und dem City-Sportboothafen vor dem Sandtorhöft liegen.

Übrigens suche ich nach Bugs. Hakt es irgendwo bei den Zeitreisen? Irgendein Browser oder Device bei dem etwas falsch dargestellt wird? Oder gibt es eine Coordinate, bei der die Karte besser ausgerichtet werden sollte? Dann könnt Ihr das gerne hier oder in farcebook mit Screenshot oder Chrono-Link berichten.

Chronoscope Hamburg

Chronoscope Hamburg für Web, iPhone und iPad

Das Chronoscope Hamburg ist eine Zeitmaschine, mit der man 300 Jahre in die Geschichte Hamburgs zurück reisen kann. Das Projekt, das im Rahmen von Coding da Vinci Nord entstanden ist, läuft in jedem Browser und auch als spezielle WebApp für iPhone und iPad.

Die Start- und die About-Seite erklären schon ausreichend worum es geht. An dieser Stelle soll daher mein Manuskript des Abschluss-Events im Resonanzraum ein paar Aspekte des Design-Prozesses beleuchten.

Slide 1

Moin,

darf ich vorstellen: Meine Kollegen Hein und Fiete. Ihres Zeichens Geometer, die vor mehreren 100 Jahren mit einer unglaublichen Präzision Hamburg vermessen haben. Ihre Karten – und 240 weitere von Hamburg, Altona bis hin zur Elbmündung befinden sich heute in der Stabi und sind der Ausgangspunkt für mein Projekt.

Ich bin Matthias Müller-Prove, Informatiker und Interaktionsdesigner.

Slide 2

Im ersten Schritt ging es um das Zugänglichmachen und Sichten der Karten, denn 6GB Scans und MetaDaten im XML Format sind nicht per se einfach zu durchstöbern.

Schon hier gab es wunderbare Details in den Marginalien zu entdecken. Und sobald man die Karten alle vor sich hat und am Bildschirm performant und dynamisch betrachten kann, kommen die Ideen zur Umsetztung von ganz alleine.

Der spannende Punkt beim Experience-Design ist es, wie man es schafft die eigene Begeisterung für das Thema zu transportieren. Denn es sollte ja bei den Anwendern selbst die Begeisterung geweckt werden und ihre Neugierde sollte sie zu Ecken und Zeiten von Hamburg leiten, die ich gar nicht vorgedacht habe. 

Außerdem ist jedes Interface entweder Map or Plan. Bei einem Plan müssen vorgegebene Schritte abgearbeitet werden um das Ziel zu erreichen. Bei einer Karte navigiert der Nutzer selbst.

Slide 3

Gebaut und gestaltet habe ich also eine Zeitmaschine, mit der man quer durch Hamburg und Altona und quer durch die Jahrhunderte reisen kann. Derzeit gibt es 4 Karten, die man transparent über die heutige Stadt legen kann. Die Karten habe ich händisch ausgerichtet und in höchster Qualität eingebunden.Jeder meiner Usability-Probanden ist sofort zu einem Ort navigiert, den sie sehr gut kennt. Diesen persönlichen Bezug kann keine Guided Tour herstellen.

Slide 4

Das Chronoscope basiert auf google maps, und ist mit JavaScript implementiert. Es läuft in jedem Browser und kann auch als spezielle WebApp für iPhone und iPad gestartet werden. Dann hat man noch mehr Platz für die Karten.

Seit gestern gibt es ein secret Feature: ChronoHyperLinks. Das sind Links, die man mit Freunden teilen kann.

Wer Lust bekommen hat, kann das Chronoscope Hamburg gerne selbst ausprobieren.

The last 36 yrs on Earth

This is a timelapse of Hamburg 1984 – 2012 provided by Google Earth Engine.

You might have to nudge the view a bit to the West to see the airport Hamburg Finkenwerder beeing extended in this timeframe. The container terminal Altenwerder also did not exist 30 years ago (bottom center). Several piers have been filled up since, e.g. Tollerort in the center and the new HafenCity top right.

Here is Las Vegas spreading into the desert over the last 36 years:

The next example is a very sad one. It shows the Aral Sea east of the Caspean Sea, at the border between Kasakhstan and Uzbekistan. Well, in fact the animation shows how the sea drys out and is about to disappear.

[Update]  The Incredible Shrinking Aral Sea 1960-2014 by Brilliant Maps, Apr 2016

>> more info via techcrunch

>> cf. PetaPixel 7-Nov-2016

15 Jahre UX Roundtable Hamburg @ Boilerman Bar, 30. Mai 2016

boilermanSeit März 2001 treffen sich Interaction Designer und Usability-Experten allmonatlich zum UX Roundtable. Das macht uns zu Deutschlands erstem Treffpunkt für Interaktionsdesigner und Usability-Experten.

Darauf wollen wir am 30.5. anstoßen.
Wir freuen uns auf das Seemannsgarn, das die alten UX-Haudegen zum Besten geben werden genau so, wie auf ein Wiedersehen mit den zahlreichen UX-Designern, die über die Jahre zu uns gestoßen sind.
Treffen am 30.5.16 ab 19:30 Uhr in der Boilerman Bar im Alten Hafenamt, Osakaallee 12, 20457 Hamburg

Klappt nicht? UX Design hilft!

Wer ist eigentlich der Dumme, wenn etwas nicht funktioniert? Oftmals sucht man die Schuld bei sich selbst, da es ja offensichtlich allen anderen Nutzern des Produktes nicht schwer fällt damit klar zu kommen. Zugegeben – die digitalisierte Welt wird immer komplexer. Vorbei sind die Zeiten, als man mit der flachen Hand auf den Fernseher schlug, um den Schnee zu vertreiben. Heute sind die Geräte so flach, dass man auch gleich in die offene Klinge eines Kochmessers greifen könnte. Im Inneren vieler technischer Geräte verrichten Computer ihren Dienst; diese können aber nur so gut sein, wie die Designer und Entwickler das Gerät und seine Funktionen gestaltet haben.
Wenn etwas nicht funktioniert, dann liegt das in den seltensten Fällen an einem menschlichen oder Systemversagen, sondern eher an einem Mißverständnis zwischen den Erwartungen des Anwenders und den Annahmen der Produktgestalter. Dumm ist das für alle Beteiligten, insbesondere aber für den Hersteller oder Anbieter des Produktes – sei es nun ein ein anfaßbares Produkt oder ein digitaler Service per App oder Website – denn ein unzufriedener Kunde hält schnellsmöglich nach Alternativen Ausschau. Ist er hingegen von Nutzen und Bedienbarkeit überzeugt, wächst seine Loyalität und er wird ein weiteres Produkt der Marke gerne wieder kaufen oder das Produkt weiterempfehlen.
Im Bereich des Produkt-Design hat sich für die Wahrnehmungen und Reaktionen eines Anwenders der Begriff User Experience (UX) etabliert. Dieser umfasst alle kognitiven und emotionalen Reaktionen, die durch die Nutzung eines Systems, Produktes oder Service hervorgerufen werden. User Experience (zu deutsch Nutzungserlebnis) beginnt dabei schon deutlich vor der eigentlichen Nutzung, da die Customer Experience, also die Phasen rund um die Kaufentscheidung – wie z.B. Interesse, Neugierde, Kosten/Nutzenabwägungen, Vorfreude – die User Experience nachhaltig beeinflussen.
So weit – so gut. Nur bleibt ein Problem, denn im eigentlichen Sinne gibt es kein User Experience Design. UX sind Prozesse im Menschen. Für eine direkte Einflussnahme auf die UX des Anwenders müsste man ihn entweder hypnotisieren oder Drogen verabreichen. Also bleibt nur, die Schnittstellen und Interaktionen zwischen dem Anwender und dem Produkt oder Service so zu gestalten, dass dabei eine möglichst positive Nutzungserfahrung hervorgerufen wird. Der Begriff hierfür ist Usability (zu deutsch Gebrauchstauglichkeit). Usability ist eine Produkteigenschaft, die gestaltet und gemessen werden kann. Sie setzt sich zusammen aus
a) Effektivität – Wird ein Ziel erreicht?
b) Effizienz – Wie aufwendig ist es das Ziel zu erreichen?
c) Zufriedenheit – Wie zufrieden (subjektiv-gemittelt) sind die Anwender mit dem Produkt oder Service?
Dabei ist es wichtig den Anwender, seine Frage- oder Problemstellung, sowie den Anwendungskontext zu kennen, da davon maßgeblich die Beurteilung der drei Kriterien abhängt.
Dazu ein kleines Beispiel: Ein Navi mag gut auf dem Smartphone funktionieren, wenn man es fest im Auto installiert und in Ruhe das Fahrtziel eingegeben hat. Eine Navigation per Smartphone App auf einer Segeljolle ist fraglich, da die Bedienung des plötzlich sehr klein wirkenden Touchscreens mit womöglich nassen Fingern auf schwankendem Deck die korrekte Eingabe des Zielhafens sehr erschweren kann.
Es ist die Aufgabe von Produkt-Designern, Interaktionsdesignern, Informationsarchitekten, Service-Designern, etc. die Anwenderseite im Business-Kontext zu verstehen und deren Perspektive in den Entwicklungsprozess einzubringen. Dann besteht die Chance, dass das Produkt die Kunden begeistert und aus der Neuentwicklung auch ein Erfolg am Markt, also eine Innovation wird.

La Rivière – The River – Der Fluss

How to Live in a City” – 20 wunderbar ruhige Minuten über urban space design in New York aus dem Jahr 1964. Dabei ist mir eine Statue des MoMa aufgefallen, die auch vor der Hamburger Kunsthalle aufgebockt ist.

Es ist eine Skulptur namens La Rivière von Aristide Maillol. Das Web ist sich nicht ganz einig, wie viele Abgüsse es gibt. In meiner Recheche habe ich derer zehn gefunden.

  1. La Rivière dans les jardins des Tuileries à Paris
  2. De Rivier. Im Freilicht Skulpturenmuseum in Middelheim bei Antwerpen, Belgien
  3. La Rivière, Jardin De Sculptures À Bruxelles
  4. Der Fluss. Vor der Kunsthalle Hamburg, Cem Basman
  5. The River at the Abby Aldrich Rockefeller Sculpture Garden, des MoMa in New York
  6. The River. Norton Simon Museum, Pasadena, California
  7. The River at the Portland Art Museum
  8. The River at the Virginia Museum of Fine Arts
  9. The River at Martha Stewart’s Garden, Skylands, Northeast Harbor, Maine
  10. The River at CityGarden, St. Louis, Missouri
  11. Collection Dina Vierny, Paris – displayed in Barcelona 2009

Es ist insbesondere spannend zu vergleichen, wie die Dame jeweils platziert ist.

[Update 30.4.16] Nach der Sanierung der Kunsthalle Hamburg ist Mailliols Fluss nun in die Rotunde umgezogen:

In der Rotunde selbst steht jetzt eine Skulpturengruppe, die sich bis ins Treppenhaus des Südflügels hineinzieht. “Die Skulpturen von Maillol, Kolbe, Rodin und den anderen, die Stürzenden, Fallenden, Tanzenden, sind jetzt alle hier versammelt”, beschreibt Hubertus Gaßner das wirkungsvolle Ensemble. “Der Fluss” von Aristide Maillol, ein liegender weiblicher Akt, zierte vor der Modernisierung den Wallringtunnel vor der Kunsthalle. Von den Autoabgasen stark angegriffen, wurde die Skulptur im Zuge der Renovierungsarbeiten am Tunnel ins Haus geholt und restauriert. /via Die Welt 25.4.2016

[Update 26.5.16] Der Fluss am neuen Ort /photo set

[Update 8/2017] Die 11. Skulptur ist in Barcelona gesichtet worden. (s.o.)

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